Eifel 2019

…oder: Das Beste kommt zum Schluss.

Düren, Juli 2019. Das Thermometer kratzt am Morgen schon an der 25 Grad Marke. Na dann hoffen wir mal, dass die Eifel ihrem Ruf als Schlechtwetterloch gerecht wird. Wenn nicht – dann wird’s kuschelig…

Eifel_2Jörg ist Ausrichter dieser Tagestour. Und wie das im Sommer so ist: Hinz und Kunz sind in den Ferien. Schottland, Küste, Campingmobil. Es finden sich trotzdem 7 Mitfahrer auf 6 Motorrädern, die sich bei warmen Temperaturen an der Shell-Tanke in Düren treffen.

Die Laune ist gut. Jörg und Heike, Josef und Tobias sind dabei. Gerd – der „Neue“ – fährt wieder mit. Und auch Hajo ist nach einer fiesen OP, nach langer Motorradabstinenz, wieder mit am Start. Außerdem hat Jörg noch Frederik mitgebracht. Sein Sohnemann hat gerade seinen Lappen gemacht und fährt mit seiner XJ600N unter der Gast-Flagge mit.

Nachdem die Tanks gefüllt sind, geht es zum ersten Zwischenstopp nach Zülpich. Jörg hatte angewiesen, dass wir nicht frühstücken sollen, damit wir am Wassersportsee gemeinschaftlich das Frühstücksbuffet dezimieren können. Die paar Kilometer bis Zülpich ist Gruppenfahrtraining angesagt. Versatz. Abstände. Im Pulk über Ampeln. Läuft eigentlich schon ganz gut. Gerd (in meinem Rückspiegel) hält über Land noch auffallend großzügige Abstände – ich erinnere mich an meine ersten Ausfahrten mit der Gruppe. Gleiches Thema. Außerdem fährt er hinten. Da fährt man mitunter 20km/h schneller als vorne. Am Wassersportsee gibt es dann die versprochene Stärkung. Wirklich nett hier. Am See sitzen, Croissants, Lachs, Kaffee. Passt!

Eifel_1Doch: Wir sind zwar verfressen, wollen aber auch noch ein paar Kilometer fahren. Also wieder rauf aufs Krad!
Boah ey… Ist das warm! Jörg führt uns über flottere Abschnitte, die sommerliche Luft in die Jacken spülen, garniert mit ein paar Serpentinenstrecken, in Richtung Ahrtal.
Erstaunlich! Ausgerechnet in den Serpentinen und Kurven hängt der Gerd im Großformat in meinem Rückspiegel!
Nach der ein oder anderen Sperrung kommen wir schließlich zur Zufahrtstraße zum Steinerberg-Haus. Durchfahrt für Mopeds und Autos verboten! Ah… Anlieger frei… Die Auffahrt ist definitiv nix für Liebhaber von langen Geraden! Die Ginsterbüsche wachsen ordentlich weit in den Fahrweg rein. Viel Kies auf der Straße. Enge Serpentinchen. Da grinst der Transefahrer! Für die Transalp ein gut fahrbares Terrain. Josef ist heute mit seiner Tiger unterwegs. Für ihn einer der schlechtesten Streckenabschnitte. Tja… So ist das Leben!

Eifel_3Das Steinerberg-Haus kennen die Meisten von uns noch nicht. Der Blick schweift über das Ahrtal. Eine richtige Berghütte. Eigentlich ein Haus für Wanderer und Radfahrer. Aber halt mit Zufahrtsstraße. Wirklich schön hier oben.
Hektoliter Kaltgetränke lassen die Sonne erträglich erscheinen und der schattige Rastplatz lässt viele nette Gespräche zu. Dann machen wir uns an den letzten Streckenabschnitt. Noch zwei Stündchen sollte es bis Kreuzau dauern. Hoffentlich oft durch waldige Abschnitte. Es ist heute wirklich warm geworden…

Jede Fahrt mit den Transalpfreunden hat ihre Eigenheiten. Bei dieser Tour kommen die vor allem auf der letzten Etappe zum Vorschein:

Als erstes tauchen ein paar alte Vespas auf (ihr wisst schon: Italien. Rost. Pastellige Farben. Knatterknatter. Richtigstellung am Ende des Textes). Zunächst mal kein Grund nervös zu werden. Aber schwuppdiwupp wirft Gerd mal eben den Anker – Fotos machen!
Gerd fuhr hinten – hat also keiner mitbekommen. Schlussfahrer Josef kommt, Tiger sei Dank, nach vorne geballert. An der nächsten Tanke rausfahren. Warten wir eben, wird schon nicht so ewig dauern.

Aufgereiht, wie die glorreichen Fünf, stehen wir an der Tanke und lachen noch über den Vespa-bekloppten Mitfahrer und dass er wohl die nächste Runde begleichen muss, als dieser, mit hinter die Windschutzscheibe gepressten Helm, auf der Bundesstraße im Tiefflug vorbeijagd – ohne uns eines Blickes zu würdigen!
Na toll! Keine lange Diskussion. Hinterher! Ausgerechnet jetzt ist auf der Straße viel los. Jörg macht dann mal einen auf „Nicht-STVO-Konform“. Wobei… ich meine auch, dass da noch eine dritte Spur zu sehen war… da bleibe ich nicht dran…

Das Ende vom Lied: Gerd weg!

Wir nehmen’s mit Humor. Er wird auch alleine zum Zielhafen finden. Wir fahren mit reduzierter Truppe weiter. Und weil eine echte Transalpfreunde-Ausfahrt nicht ohne Regen auskommt, serviert uns ein Sommergewitter eine volle Breitseite! Wenn schon, denn schon. Die Gullideckel blubbern. Bäche auf der Straße. Uns egal: Wir haben’s „Seepferdchen“. Die Regenkombi bleibt bei mir dieses Mal im Topcase. Bei diesem Wetter trocknet alles ruckzuck wieder.

Und während wir die nächsten Serpentinen auf Grund der rasch abtrocknenden Nässe noch vorsichtig angehen hören wir plötzlich das unangenehme Geräusch, von über den Asphalt schleifenden Metall…

Uff. Aufregung. Frederik hat’s in der Kurve das Vorderrad wegggezogen. Ein paar Meter gerutscht. Bitte jetzt nicht noch einen Personenschaden! Das wäre nicht fair! Gutes Notfallmanagement: Alle sofort rechts ran. Die Abstände waren scheinbar richtig – Keine Auffahrkollisionen. Den Frederik an den Rand gestellt. Moped von der Straße geholt. Luft holen. Als der vorne fahrende Jörg zurück ist, ist die Unfallstelle schon geräumt.

Lage checken: Frederik hatte Glück. Wir waren in der Kehre alle recht langsam. Die kinetische Energie war überschaubar. Wobei das mit Flipflops und Shorts bestimmt anders ausgesehen hätte. Das Moped ist vor ihm gerutscht. Nix eingeklemmt. Schwein gehabt.
Der Lenker fühlt sich verbogen an und wird vor Ort bestmöglich begradigt. Die XJ hat ein paar Schürfwunden, ist aber technisch OK. Glück im Unglück.
Warum der Gute jetzt den Abflug gemacht hat, ist nicht wirklich klar. Frederik ist die ganze Zeit top gefahren (fühlte sich überhaupt nicht nach Anfänger an). Der Asphalt wirkte an der Unfallstelle rutschiger. Aber echt jetzt? Alle Anderen sind auch drüber… Das Geheimnis wird die Straße für sich behalten. Nach so einer Nummer schlagen wir zu Leo’s Brauhaus in Kreuzau den direkten Weg ein. Es reicht für heute.

Eifel_4Hier treffen wir Gerd wieder – der natürlich selbstredend eine Runde schmeisst! Und während wir von Heerscharen von Fliegen umschwärmt werden (Ich bin mir sicher, dass wir abartig gerochen haben!), lassen wir es uns schmecken und das zweite Unwetter vorbeiziehen. Der Abend kommt. Einen allerletzten Absacker will aber niemand mehr trinken. Sind jetzt doch alle gar gekocht und wollen nach Hause. Für jeden hier bedeutet das noch ungefähr ein Stündchen Fahrt – dann ist die schöne Eifelausfahrt beendet.

Fazit: Tourplanung für Gruppen ist bekanntlich nicht so einfach. Der Jörg hat auch den Eifelkennern noch ein paar unbekannte Stellen gezeigt. Die gastronomischen Stopps: Alles Treffer. Kannten wir noch gar nicht. Super Planung.
Aus Fehlern (Stichwort: Der verlorene Gerd) müssen wir noch lernen. Und im Einzelfall auch noch über die Fahrerreihenfolge nachdenken. Transalpfahrer sind kein Volk von Egozentrikern. Bekommen wir also alles hin.

Ich freue mich auf die nächste Tour! Wuff!

Nachtrag von Gerd: Es handelte sich NICHT um Vespas, sondern um Fahrzeuge der Firma Zündapp, Nürnberger Wertarbeit, und er ist sich ganz sicher, dass die nicht rosten würden… Ich verkneife mir an dieser Stelle weitere Kommentare – jeder Jeck ist anders! 😀

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