Projekt Kettenöler

Der Oil-E wir inzwischen auf einer separaten Webseite dokumentiert:
http://www.manonwheels.de/?page_id=130

Es gibt inzwischen eine kleinere Version: Oil-E 2.0 (s. Beitrag)

OIL-E
Das DIY-Kettenöler-Projekt

Kurz vorab ein Disclaimer: Wer sich durch diesen Text selbst dazu animiert fühlt am eigenen Motorrad zu werkeln, macht das auf eigene Gefahr. Das hier ist ausdrücklich KEINE Bauanleitung. Es ist nur ein Werkbericht. Es ist also auch gut möglich, dass bei der Umsetzung gegen irgendein Gesetz verstoßen wurde. Für Euer eigenes Treiben übernehmt ihr also bitte selbst die Verantwortung. Ich nicht!

Vorwort – Sinn und Zweck

Warum braucht der Mensch eigentlich Kettenöler?
Gute Frage… ein paar Versuche zu antworten:

Immer eine optimal gepflegte Kette

Es ist bekannt, dass Ketten mangelhafte Pflege übel nehmen. Als Quittung verschleissen sie schnell. Dementsprechend dankt eine Kette gute Pflege mit längerer Standzeit.
So ein Kettensatz kostet nicht die Welt? Klar! Aber für das Geld könntest du sehr viel Eis essen… oder tanken!

Faulheit

Gerade auf dem Campingplatz angekommen und dann Kettenpflege…? Durch den Dauerregen nach dem Stammtisch…? Im Winter…? Auf einer Langstreckentour…?
Es gibt viele Gründe, die faule Menschen gelten lassen! Wieso hat wohl jemand einen Kardan ans Moped (i.d.R. Reisemaschinen) gebaut?

Technische Nachvollziehbarkeit

Reiseberichte von Leuten, die irgendwo in Am-Ende-Der-Welt ohne sinnvolle Kettenschmierung unterwegs waren bringen es auf den Punkt: Ich will wissen, wie das Zeug, was ich an mein Motorrad schraube, funktioniert. Im Zweifel gilt das auch für elektronische Anbauteile!

Maker!

Der für mich der entscheidenste Punkt. Ich glaube, dass ich ein „Maker“ bin.
Zitat aus der Wikipedia: „Ziel vieler Anhänger ist es, mit eigenen Mitteln ein technisches Problem zu lösen, ohne den Einsatz kostspieliger Speziallösungen.“ Kettenöler gibt es „von der Stange“ zu kaufen. Es gibt auch das ein oder andere bemerkenswerte (semi)professionelle DIY-Produkt. Wer einfach so ein Ding haben möchte, wird also fündig ohne einen Lötkolben in die Hand nehmen zu müssen. Einfach mal nach „Kettenöler“ oder „Chain Oiler“ googlen… Die Werkstatt eures Vertrauen kann sowas bestimmt montieren. Aber so ticke ich einfach nicht!

Wunschliste

Auf Grund der Flexibilität, Kontrollierbarkeit und Unabhängigkeit von Außentemperaturen wollte ich einen elektronisch gesteuerten Kettenöler mit Pumpe umsetzen.
Der Rehoiler von Detlef Axon hat mich inspiriert. „Dete“ hat ein sehr professionelles Gerät mit einigen Deluxe-Features entwickelt (Bluetooth und vieles mehr), das ich mir beinahe nachgebaut hätte… Aber eben nur beinahe. 😉 (An dieser Stelle aber mal ein großes Dankeschön an Typen wie Dete, die ihr wissen einfach teilen!)
Das was mich am Rehoiler „gestört“ hat: Individuell gefertigte Platine, für Anfänger ein bisschen viel zu löten (Dete hat sich mein Werk durchgelesen – warscheinlich ist der Lötaufwand nicht wesentlich höher :-)), der notwendige Chip wird von Dete mit dem Programm versehen (per Post) – ich würde das gerne Nachvollziehen und selbstmachen… Für mich einfach nicht ganz das Richtige.
Darum hatte ich die Idee, ein ähnliches Funktionskonzept mit einem Arduino umzusetzen. Mit so einem Chip hatte ich schon Erfahrungen gesammelt. Kalkulierbarer Aufwand. Wer aber einen gut durchgedachten, erprobten, Bausatz sucht, sollte sich aber den Rehoiler unbedingt anschauen.

Funktionsumfang

Das hier ist meine Wunschliste für den ersten Prototypen. Die Liste wird sich bestimmt noch ändern…

Ölung in Abhängigkeit zur Fahrweise

Unterscheidung zwischen Innenstadt, Überland, Autobahn, Offroad.
Mein Gerät arbeitet z.Z. nur abhägig zur Weglänge. Also nach soundsoviel Kilometern gibt es einen Tropfen Öl auf die Kette.

Stärkere Ölung bei Regen (Regenschalter)

Das haben die meisten Edelgeräte – wollte ich also auch. Schalter betätigen und das Interval der Ölung wird beschleunigt.

Dauerpumpen zu Wartungszwecken und zur Entlüftung

Spezielle Taste, die permanent Öl fördert.

Einhandbedienung am Lenker (eine LED, vielleicht mehrfarbig; Regenschalter)

Z.Z. eine kleine Blackbox mit Schalter und LED. Zum testen sollte es reichen. Die LED soll anzeigen, dass der Reedkontakt arbeitet, der Regenschalter aktiv ist, und und und. Das geht über verschiedene Blink-Modi.

Umsetzung

Die Platine

Wie gesagt: Ich habe mich für den ersten Prototyp für einen Arduino Uno R3 entschieden. Die Platine kommt in meinem Fall vom Label „Elegoo“ und scheint zum original Uno R3 baugleich, dafür deutlich günstiger, zu sein. Darauf werkelt ein Atmel Prozessor. Vergleichbar mit dem Rehoiler. Der Uno kommt mit einem großen Spannungsbereich zurecht, hat viele Ein- und Ausgänge und es gibt selbst bestückbare Experimentierplatinen (sog. „Shields“) zu kaufen. Das Ganze kostet zusammen nicht einmal 20 EUR.

Bestückung des Protoshields

Die Schaltung habe ich mir selbst zurechtgestrickt. Das Internet hilft zu verstehen. Ist einfach gehalten. Wichtigstes Bauteil ist ein MOSFET, der zur Ansteuerung der Pumpe benötigt wird (Achtung! 12 V auf einem logischen PIN ist nicht gut!), außerdem ein paar Widerstände zum sauberen Ansteuern der Schaltereingänge. Kostenpunkt der Bauteile: wenig bis unbekannt. Hatte ich noch im Keller…

Am Motorrad
Öltank
OilE_Gesamt
Foto: Tobias Schell

Das ist ein Ausgleichsbehälter für eine Kupplung (?) eines Lada Niva. Fasst knapp 130ml. Passt. Lada Niva ist außerdem so ähnlich wie eine Transalp auf russisch mit 4 Rädern J
Anbringung am Motorrad: Ich wollte die Zugänglichkeit sicherstellen und habe das Objekt mit Kabelbindern unterhalb des Topcase befestigt. Deckel auf und Öl rein. Sieht man auch sofort, ob sich der Ölstand dem Ende nähert.

Pumpe
OilE_Pumpe
Foto: Tobias Schell

Wie für den Rehoiler verwende ich eine kleine Pumpe aus einem Motorroller. Es ist eine Dellorto PLE. Auf Ebay für 17 EUR erstanden. Neu kostet so ein Teil an die 60 EUR. Mit Geduld auch günstiger zu bekommen. Die Pumpe sorgt in einem Roller wohl für die kontrollierte Zugabe von Öl in den Verbrennungsprozess. Fast das teuerste Bauteil. Die Pumpe kam Ölverschmiert und schwarz an. Ein bisschen Reiniger und alles war wie neu.
Anbringung am Motorrad: Im Leerraum der Luftansaugung mit einer M6 festgeschraubt. Der Stecker ist irgendwas Spezielles. Wurde deshalb selbstgefummelt.

Ölauslass am Kettenblatt

Schaut Euch die Anleitungen der professionellen Geräte an. Der CLS Kettenöler gibt gute Hinweise. Ich habe aus kleinen Messingröhrchen eine Düse gelötet, mit Schrumpfschläuchen nachgedichtet und mit kleinen PVC-Schläuchen aus dem Baumarkt alles verbunden. Materialverträglichkeit von PVC mit Öl sollte passen. Wenn nicht, kann ich’s ja wieder ändern.
Anbringung am Motorrad: Am besten schaut ihr Euch die Fotos an. Kommt ja ganz aufs Zweirad an. Bei der Düse muss man die Nerven behalten. Die kleinen Röhrchen sollen das Kettenblatt nur haarscharf berühren… Dürfen auch nicht herumwackeln (Kette!) und es muss dicht sein. Worauf ich richtig geachtet habe: Kein Öl im Bereich von Bremsen und Reifenflanken nicht zusauen!

Reedkontakt

Der Kontakt registriert die Radumdrehungen des Motorrads. Darüber wird die Wegstrecke und Geschwindigkeit ermittelt. Das Bauteil habe ich für 1 EUR im Elektronikladen gekauft und selbst gelötet. Anleitung findet man wieder bei Dete (http://www.rehtronik.de/reedkontakt.html).
Anbringung am Motorrad: In meinem Fall war eine Stelle am Hinterrad ein guter Platz. Am Kettenblatt einen Magneten angebracht (mit Kleber). Den Reedkontakt mit Kabelbindern an der Schwinge. Ich hoffe, dass es hält. Momentan der Schwachpunkt (der noch optimiert wird).

Stromvesorgung

Die Stromversorgung habe ich vom Rücklicht abgezweigt – damit bin ich mir sicher, dass das Gerät nicht versehentlich die Batterie leert. Ging erstaunlich gut. Wer es nicht weiß: Googelt mal nach dem Produkt „Stromdieb“. Da der Arduino mit Spannungen bis 24V klar kommt, habe ich keine Sicherung eingebaut.

Erster Test

Es läuft! Ca. alle 3500m macht die Pumpe einen Ölklecks auf die Kette. Ich habe nach den Erfahrungen im Netz mineralisches Kettensägenhaftöl im Einsatz.
Beim ersten Test hatte ich die Distanz zu kurz gewählt. Resultat war eine geflutete Kette und eine regelrecht abtropfende Zumutung an der Ampel… Passt also bei ordentlichen Terrassen und Vorplätzen auf.
Das Einstellen via USB und Laptop ist einfach. Strom weg. Usab rein. Werte im Script verändern und hochspielen. Dauer 2 Minuten. Außerdem ist man schon eine coole Sau, wenn man am Randstreifen seinen Computer mit einem 20 Jahre alten Moped verbindet. J
Die Einknopfbedienung am Lenker habe ich noch nicht montiert (Verkleidung muss dafür runter… nerv!) – aber schon getestet.

Ausblick

Verkleinerung

Die Elektronikbox ist noch etwas fett. Für den ersten Test OK. Aber die Box muss hinten verschwinden… Den Arduino gibt es in einer NANO-Variante (wie der UNO nur in klein). Das werde ich ausprobieren.

Kabellose Trimmung

Der Rehoiler macht’s mit Bluetooth. Beim anpassen der Einstellungen schon nett. Wäre was… Geht auch mit einem Arduino.

Verfeinerung des Skripts

Ich habe mit relativer Hauruck-Mentalität programmiert… Das lässt sich bestimmt alles smarter machen. Die Zeit wird es zeigen.

Bilder vom Making of…

Schreibe einen Kommentar