Vogesen 2019

Josef und ich wollten dieses Jahr einen Ausflug in eine kurvenreiche Region in Angriff nehmen. Die Feiertagsbrücke vom 20. bis 23.06. passte gut. Also Pläne schmieden… Alpen und Slowenien fielen dann bald aus dem Beuteschema raus. Die Anfahrt wäre für die paar Tage zu aufwändig geworden… Vogesen sollen interessant sein… Ein bisschen googlen und Reiseführer lesen – Jepp. Wir fahren in die Vogesen!

Die Ansage war a. An- und Abreise über Landstraßen (100% Fahrvergnügen) und b. mit dem Zelt (kein großes Gebuche, man bleibt flexibel). Nachdem wir beim Stammtisch drüber philosophiert hatten, waren wir zu viert (Josef, Holger, Jörg und ich). Für eine erste mehrtägige Ausfahrt sind das vielleicht auch genug Köpfe, die unter einen Hut gebracht werden wollen. Josef und Jörg wollen mit ihren neuen Untersätzen fahren (Tiger und Vara). So sei es!

1. Tag, Donnerstag 20.06.2018

Tag_1_Vogesen
Tag 1 – Aachen nach Saverne
ca. 360 km

Holger musste leider noch absagen. Seine Handgelenke machten ihm zu schaffen. Steckt man nicht drin…
Da waren es nur noch drei.

8:00 treffen wir uns an der Shell-Tanke in Aachen-Brand. Wetterprognose irgendwas zwischen „Ganz OK“ bis „Weltuntergang“. Wir haben uns drauf vorbereitet. 15 verschiedene Wetterapps am Start. Alles wasserfest verpackt. Mental auf Tauchfahrt und Orkanböen eingestellt, trotzdem sommerliches Outfit. Anspannung und Vorfreude liegen in der Luft.

Für heute heißt es zivilisiert Strecke machen und sich bis zum Fuss der Vogesen durchschlagen. Mit der Transalp fahre ich nicht gerne Autobahn. Via Belgien und Luxembourg geht die Fahrt über angenehme Bundesstraßen nach Frankreich.  Unterwegs verliert das Wetter kontinuierlich seine Düsternis. Die Sonne bricht durch. 20 Grad. Geiler Scheiss! Wer hätte das gedacht! Regen sehen wir nur in der Ferne in einzelnen Wolken vorüberziehen. Damit können wir gut leben.

In der Nähe von Schengen gibt es dann ein mittägliches Frühstück. Überbackenes und Kaffee. Lecker! Kurze Abstimmung ob ich als Leithammel mit der Transe zu lahm bin. Scheint zu passen. Und da in Frankreich sowieso Tempolimit 80 gilt, wollten wir es eh nicht übertreiben.

Nach zügiger und angenehmer Fahrt landen wir dann schon am frühen Nachmittag in Saverne. Campingplatz „Port d’Alsace“ – das Tor zum Elsass.

Eigentlich wollen wir essen gehen. Aber irgendwie hat dieses nette Städtchen nur Gourmet-Tempel zu bieten oder die Lokale sind geschlossen. Beim Alkoholfrei-Bierchen und Blick auf die Wetterapp, entscheiden wir uns für „Camping Total“: Wir brutzeln uns was und schauen, was der hiesige Supermarkt hergibt. Wie sich zeigt: Ein guter Einstieg ins gemeinsame Campleben. Jörg kann seinen selbstgebauten Gas-Grill mit Silikonmatte testen (Ergebnis: funktioniert super!), die neuen Stühle können ihre Belastbarkeit beweisen und wir kommen als Fahrgemeinschaft gut zusammen. Einige Bier später schlafen wir dem nächsten Tag entgegen. Morgen sollten die richtigen Kurven kommen…

 

2. Tag, Freitag 21.06.2019

Tag_2_Vogesen
Tag 2 – Saverne nach Xonrupt-Longemer
ca. 230 km + Ausflug

Ich weiß nicht woran es liegt: Irgendwer schnarcht einfach immer unverschämt laut!
Nach nur wenigen Stunden Schlaf (es war der Radfahrer im Nebenzelt), ist das Geraffel schnell wieder auf den Mopeds verstaut. Minimalfrühstück und noch vor acht ab auf die Straße!

Jo! Das fängt gut an. Schön geschwungene Straßen. Schattenspendender Wald mit angenehmer Kühle. Kleinste Ortsdurchfahrten. An den Asphalt muss man sich ein wenig gewöhnen. Man weiß nie so recht, ob das jetzt loser oder fester Split ist. Und diese komischen Bitumengirlanden auf der Straße sorgen in einigen Kurven (noch) für vorsichtige Gangart. Aber es läuft. Wir schlängeln uns über Berg und Tal, Serpentine um Serpentine nach Obernai.

Hier kommt das obligatorische (richtige) Frühstück an die Reihe. Hübsche Ortschaft. Das Urlaubsfeeling ist voll da. Die Wetterapps werden gar nicht mehr richtig ernst genommen.

Und weiter geht’s Richtung Xonrupt-Longemer. Wir rauschen an den Cols nur so vorbei (Ich zähle hier nicht auf – seht auf die Karte). Schön hier. Es fährt sich locker. Mitunter auch anspruchsvoll. Kurve um Kurve. Trotz des guten Wetters nicht viel los. Die Leute in den Orten freuen sich sogar noch über Reisende. Wirklich nett, wie sich die Vogesen präsentieren.

Die Fahrgemeinschaft harmoniert ebenfalls. Kein Gezanke. Kein Drängeln oder Ausbremsen. Läuft.

Mit guter Laune trudelt unser Trio am Nachmittag auf dem Camping in Xonrupt-Longemer ein. Haus am See – Zelt aufbauen. Und dann geht es noch einmal ohne Gepäck hoch auf den Gipfel (Le Hohneck).

Und wie das so ist: Tadaaaaa – Der Regen ist da! Völlig überraschend. Also rechts ran. Zieht der schnell vorbei? Leider nein. Also Plastik überwerfen. Weiter geht’s. Wir werden richtig nass und erstmal rein in die Wirtsstube auf dem Gipfel. So einen Dämpfer bekommt man mit einem Stück Blaubeerkuchen mit einem Berg Sahne gut verarbeitet. Kaffee weg. Regen weg. Dann gönnen wir uns den Blick über die Täler und die Hänge, auf denen Gämse (oder sind es doch Ziegen?) ihrer Beschäftigung nachgehen.

Genug geguckt. Wir düsen bei regennasser Bahn ins Tal. Die rasende Schrankwand (Jörg) ist diesmal vorne und zeigt uns, dass man bei dem Belag keine Sorge haben muss… naja… haben müsste… Mit viel Gischt um den Helm und trotzdem guter Laune gondeln wir zum Zeltplatz.

Komisch. Hier hat es gar nicht so doll geregnet. Nur kurz, ein paar Tropfen… Ja, dann… Ab in den See (Josef kneift) und den Abend bei einem Mega-Burger-Pommes-Baguette ausklingen lassen. Zufrieden geht es in die Kojen. Es folgt die erste erholsame Nacht.

3. Tag, Samstag 22.06.2019

Tag 3 – Xonrupt-Longemer nach Sierck-les-Bains
ca. 360 km

Verdammt nochmal. Es ist schon Samstag. Unser letzter Tag in den Vogesen. Der gestrige Regen hat uns argwöhnisch werden lassen. Aber die Zelte bekommen wir trocken eingepackt. Heute wird es ein langer Fahrtag. Wir wollen hoch bis Sierck-les-Bains an der Luxembourger Grenze (Norden) und vorher noch die Route des Crêtes (Schlenker nach Süden) fahren. Noch vor 8 sind wir unterwegs.

Es sind viele Wolken für die Vogesen vorhergesagt. Und wirklich: Auf der Route des Crêtes geht die Sichtweite auf Null runter. Das ganze Panorama, das sich uns bieten sollte, verschwindet in dichtem Nebel. Tempo 50 ist das höchste der Gefühle. Oft langsamer. Immerhin Abenteuer-Feeling und ein Grund zurückzukommen.
Nach dem kleinen, aber kostspieligen Frühstück im Berghotel geht’s Richtung andere Kammseite ins Tal. Endlich ist der Nebel weg. Die Sorge vor nassem Belag ist der Fahrfreude gewichen. Yippie-ya-yeah! Das läuft! Im Tal cruisen wir kurz durch schöne Weinorte (die Sonne ist definitiv wieder im Rennen), um sofort wieder in die Berge zu fahren.

Bei unserem mittäglichen Kaffee-Tartes-Break in der Sports Bar bei Sainte-Marie-aux-Mines sind wir uns alle einig, dass das heute wieder eine geniale Kurverei ist. Ohne Worte. Ein wenig wehmütig wissen wir, dass wir die Vogesen nach dem Essen bald verlassen werden. Wir streifen das Elsass noch über den Donon. Dafür nehmen wir die direkte Verbindung durch den Tunnel. 3,60 EUR Gebühr, eine einzige Linie durch den Berg.

Nach dem Elsass kommt die Ernüchterung. Bis Sierck-les-Bains fahren wir gefühlt auf einer langen Gerade über endlose Felder mit wenigen Bauernhöfen. Auf der Hinfahrt empfanden wir die Landschaft noch als reizvoll (was sie auch ist). Jetzt sind wir verwöhnt. Der Tag zieht sich. Den Campingplatz erreichen wir erst um 18:30.

Doch wie das Leben so spielt: Wir haben Glück. In Sierck-les-Bains ist Stadtfest (St. Jean) und wir bekommen den letzten Platz auf dem kleinen Camping. Passt. Nach kurzer Dusche wollen wir uns im Städtchen ein Abendessen ergattern und wissen noch nicht, dass der Abend in die Geschichte dieser Tour eingehen wird.

Das ganze Dorf ist auf den Beinen. Das erste Bier trinken wir beim Besuch eines Laien-Live-Mini-Rock-Konzerts in einem Proberaumkeller am Fuss der Burg, eines der vorletzten Biere beim XXXL-Feuerwerk an der Mosel, das letzte Bier auf dem großen Marktplatz, bevor wir weit nach Mitternacht platt und zufrieden zum Zeltplatz wanken. Ein langer Tag. Eine lange Nacht. Ein würdevoller Tourenausklang.

 

4. Tag, Sonntag 23.06.2019

Tag 4 – Sierck-les-Bains nach Aachen
ca. 200 km

Der Mensch wird älter… Das letzte Bier am Vorabend… Wir machen langsam. Heute geht es nur noch nach Hause. Die Paninis in dieser Ortschaft bei Schengen waren doch ganz lecker. Liegt auf dem Weg. Frühstückspause. Der heutige Tag wird warm bis heiss.
Auf den Routes Nationales geht es nach Hause, wie wir gekommen sind. Ein letztes Mal in Luxembourg tanken. Und gegen Mittag haben alle Fahrer ihren Heimathafen erreicht.

 

 

 

 

 

 

Fazit

  1. Die Vogesen. Da liegt eine so schöne Ecke direkt vor der Haustür und man weiß es nicht. Wir werden wiederkommen.
  2. Das Zelten. Kann man machen, muss man natürlich nicht. Die Vogesen sind top erschlossen. Plätze gibt es genug. Es kann aber bei Feiertagen auch schon mal voller werden. Da wir Fahrerisch nicht im Grenzbereich unterwegs sind, hat sich das Gepäck  nicht als störend erwiesen. Man gewöhnt sich schnell an das Geraffel.
  3. Die Gruppe. Wir hatten noch nicht die Gelegenheit über einen mehrtägigen Zeitraum gemeinsam zu reisen und waren deshalb vorab vorsichtig – aber scheinbar unbegründet. Kein Gemaule, keine unangenehmen Eigenarten, bei Abstimmungsbedarf (Pause, Wetter, Zeltplatz, Essen) immer konstruktiv. Die kleine Fahrgemeinschaft hat sich bewährt. Bei den wenigen Tagen, die ich im Jahr für mein Hobby einplanen kann: Ein persönliches Dankeschön an Euch beide! Gerne wieder!